Kopenhagen, 26. März 2026 – Menschen mit Lungenkrebs in Europa sind nach ihrer Diagnose häufig stark psychisch belastet. Das zeigt der 11. Jahresbericht der Organisation Lung Cancer Europe (LuCE), der auf dem European Lung Cancer Congress (ELCC) 2026 vorgestellt wurde. Er baut auf dem 10. LuCE-Jahresbericht auf und liefert eine tiefere Analyse der Daten.
Demnach berichten fast neun von zehn Betroffenen (89,3 Prozent) von erheblichen emotionalen Problemen. Gleichzeitig offenbart die Untersuchung deutliche Unterschiede – je nach Krebsart, Diagnostik und Wohnort.
Psychische Belastung hängt auch von Diagnostik und Tumorart ab
Erstmals analysiert der Bericht vergleichend, wie sich klinische Faktoren auf die psychische Gesundheit auswirken. Ein zentrales Ergebnis: Der Zugang zu Biomarker-Tests steht offenbar in engem Zusammenhang mit dem Wohlbefinden der Patientinnen und Patienten.
Besonders schlecht schneiden laut Bericht Personen ab, bei denen keine entsprechende Testung durchgeführt wurde. Sie berichten seltener von guter psychischer Gesundheit (44,6 Prozent) und häufiger von negativen Auswirkungen auf Arbeit und finanzielle Situation.
Allerdings ist diese Gruppe im Bericht nicht eindeutig definiert: Unter den „nicht getesteten“ Patienten befinden sich sowohl Betroffene, die aus strukturellen Gründen keinen Zugang zu moderner Diagnostik hatten, als auch solche mit Tumorarten, bei denen Biomarker-Tests bislang medizinisch keine zentrale Rolle spielen.
Kleinzelliger Lungenkrebs besonders belastend
Deutlich wird jedoch: Die Art des Lungenkrebses hat einen erheblichen Einfluss auf die psychische Belastung.
Patientinnen und Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs berichten besonders häufig von einer Verschlechterung ihrer mentalen Gesundheit (66,2 Prozent) – ein Wert, der über dem Durchschnitt aller Befragten (61,2 Prozent) liegt.
Diese stärkere Belastung könnte auch mit der oft ungünstigeren Prognose und den begrenzteren Therapieoptionen bei dieser Tumorform zusammenhängen.
Deutliche Unterschiede innerhalb Europas
Neben medizinischen Faktoren zeigt der Bericht auch erhebliche regionale Unterschiede.
Während Betroffene in Italien, Schweiz und Dänemark vergleichsweise bessere Werte bei der psychischen Gesundheit angeben, berichten Patientinnen und Patienten in Slowenien, Ukraine und Griechenland deutlich häufiger von negativen Auswirkungen.
Dies deutet auf Unterschiede in Versorgungssystemen, Unterstützungsangeboten und sozialer Absicherung hin.
Auch für Deutschland liegen aktuelle Daten vor: Ein begleitender Länderbericht zeigt, dass die psychische Belastung hierzulande sogar über dem europäischen Durchschnitt liegt. Die wichtigsten Ergebnisse und den vollständigen Report finden Sie in unserer separaten Meldung.
Viele Betroffene erhalten keine psychologische Unterstützung
Ein weiteres zentrales Ergebnis: Ein erheblicher Teil der Patientinnen und Patienten bleibt ohne professionelle Hilfe.
Rund 31 Prozent der Befragten geben an, während ihrer gesamten Behandlung keinerlei Unterstützung für ihre psychische Gesundheit erhalten zu haben.
Besonders ausgeprägt ist diese Versorgungslücke bei kleinzelligem Lungenkrebs: 74,3 Prozent der Betroffenen wurden nach eigenen Angaben nie an eine Patientenorganisation vermittelt.
Psychosoziale Versorgung gezielt stärken
Die Daten zeigen klar: Lungenkrebs ist für die meisten Betroffenen auch eine erhebliche psychische Herausforderung – und die Unterstützung ist in Europa ungleich verteilt.
Der Bericht liefert wertvolle Hinweise darauf, dass die psychische Belastung bei Lungenkrebs nicht nur von der Diagnose selbst, sondern auch von strukturellen Faktoren wie Zugang zu Diagnostik und Unterstützung abhängt.
Der Bericht von Lung Cancer Europe unterstreicht damit die Bedeutung einer besseren psychosozialen Versorgung. Zugleich macht er deutlich, dass künftige Analysen stärker zwischen medizinischen und strukturellen Faktoren unterscheiden müssen.
Psychosoziale Betreuung muss verbindlich in die Krebsversorgung integriert werden, und Patientinnen und Patienten sollten frühzeitig Zugang zu Unterstützungsangeboten erhalten. Gleichzeitig braucht es einen besseren und gerechteren Zugang zu moderner Diagnostik, damit alle Betroffenen die für sie passende Behandlung und Begleitung erhalten.
Hier kannst du den 11. LuCE-Report herunterladen: 11th-Lung-Cancer-Europe-Report.pdf
So entstand der Bericht
Der Bericht von Lung Cancer Europe basiert auf einer europaweiten Online-Befragung von Menschen mit Lungenkrebs sowie deren Angehörigen. Insgesamt nahmen mehr als 2.200 Betroffene aus der WHO-Region Europa teil. Die Auswertung entstand in Zusammenarbeit mit verschiedenen Patientenorganisationen und gibt einen direkten Einblick in die Erfahrungen und Bedürfnisse von Betroffenen im Versorgungsalltag.