ALK-positiver Lungenkrebs

Kurz-Info

ALK-positiver Lungenkrebs

ALK-positiver Lungenkrebs ist eine seltene Erkrankung, die bei verschiedenen Krebsarten vorkommen kann. Bei Lungenkrebs sind 3 bis 5 Prozent der Patienten mit einem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs betroffen. Beim ALK-positiven Lungenkrebs liegt eine Genmutation im Anaplastischen Lymphomkinase-Gen (ALK-Gen) vor. Diese Genmutation führt zur Überproduktion eines Proteins, das das Wachstum von Krebszellen fördert.

Treibermutationen beim Lungenkrebs – ALK

Nur circa 3 bis 5 Prozent aller Patienten mit einem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs sind „ALK-positiv“. Lungenkrebs mit einer ALK-positiven Treibermutation ist damit selten – im Gegensatz zu „Lungenkrebs“ an sich. Lungenkrebs ist für Männer die zweit- und für Frauen die dritthäufigste Krebserkrankung in Deutschland. Im Jahr 2023 wurden etwa 58.400 Menschen neu diagnostiziert, davon etwa 33.500 Männer und 24.900 Frauen. (1)

Besonderheiten des ALK-positiven Lungenkrebses

Bei ALK-positivem Lungenkrebs liegt das Verhältnis zwischen betroffenen Männern und Frauen bei circa 50:50. Es gibt aber noch weitere Besonderheiten: Es sind überproportional viele Frauen betroffen, die bei Erstdiagnose unter 50 Jahren alt sind. Zum Vergleich: Das mittlere Erkrankungsalter bei Lungenkrebs liegt für Frauen bei 69 und für Männer bei 70 Jahren.

Mit ALK-positivem Lungenkrebs werden größtenteils Nichtraucher (ehemalige Raucher, die nur kurze Zeit und nur wenig geraucht haben) und Menschen, die nie geraucht haben diagnostiziert. Diese Treibermutation ist nach heutigem Kenntnisstand nicht erblich bedingt und wird, aus bisher unbekannten Gründen, im Laufe des Lebens erworben.

Was genau ist ALK-positiver Lungenkrebs?

Die ALK-positive Treibermutation findet sich nahezu ausschließlich bei Adenokarzinomen. ALK-positiver Krebs bezeichnet am häufigsten eine Neuanordnung des EML4-Gens und des ALK-Gens in der DNA. Das ALK-Gen liefert den Bauplan für ein bestimmtes Enzym, die anaplastische Lymphomkinase (ALK).

Dieses Enzym kommt in gesunden Lungenzellen nicht vor. Wird es durch diese Fusion mit einem anderen Gen dauerhaft aktiviert, bildet sich ein Protein, das permanent Signalwege aktiviert und damit ein unkontrolliertes Zellwachstum auslöst – ALK-positiven Lungenkrebs.

Wie wird ALK-positiver Lungenkrebs diagnostiziert?

Die einzige Methode, Treibermutationen wie ALK beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs zu finden, ist eine „molekulare Diagnostik“. Oft ist auch von „genetischer Biomarker-Testung“ die Rede, von einer „molekularpathologischen Untersuchung des Gewebes“ oder von einem „NGS-Test“ (Next-Generation-Sequencing-Test).

Über das nationale Netzwerk Genomische Medizin Lungenkrebs nNGM findet man Unikliniken, zertifizierte Lungenkrebszentren oder Praxen, die eine solche molekulare Diagnostik durchführen können.
Über dieses Netzwerk haben Patienten auch einen leichteren Zugang zu klinischen Studien und zu neuen innovativen Medikamenten vor der Zulassung.

Die Kosten für Testung und Beratung werden ambulant und stationär bei Erstdiagnose und bei jedem Rezidiv von den allermeisten Krankenkassen übernommen.
Ansprechpartner, auch für eine Zweitmeinung, findest du über die Arztsuche auf der nNGM-Webseite (https://nngm.de/arztsuche-lungenkrebs-netzwerkpartner/).

Eine komplette molekulare Testung über alle bekannten Mutationen sollte generell allen Patienten mit einem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs in einem fortgeschrittenen Stadium angeboten werden – unabhängig von einer Rauchhistorie oder der Histologie.

Im nationalen Netzwerk Genomische Medizin (nNGM) erhalten alle Patienten mit einem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs in fortgeschrittenem Stadium eine umfassende molekulare Diagnostik.

Die Kosten für Testung und Beratung werden ambulant und stationär bei Erstdiagnose und bei Progress/­einem Rezidiv von den allermeisten Krankenkassen übernommen.

!

Prognose des ALK-positiven Lungenkrebses

ALK-positiver Lungenkrebs gehört zu den Formen des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses, bei denen in den vergangenen Jahren besonders große Fortschritte erzielt wurden. Dank moderner zielgerichteter Therapien können viele Patientinnen und Patienten heute über viele Jahre mit ihrer Erkrankung leben und dabei oft eine gute Lebensqualität erhalten.

Die individuelle Prognose hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter das Krankheitsstadium, das Ansprechen auf die Therapie und der allgemeine Gesundheitszustand. Statistische Überlebensdaten können daher nur eine Orientierung bieten und erlauben keine Aussage über den Verlauf bei einzelnen Betroffenen.

Behandlung des ALK-positiven Lungenkrebses 

Für Patientinnen und Patienten mit ALK-positivem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs können zielgerichtete Therapien mittlerweile auch in frühen Krankheitsstadien nach einer Operation eingesetzt werden.

ALK-Inhibitoren spielen jedoch insbesondere bei fortgeschrittenem oder metastasiertem Lungenkrebs eine zentrale Rolle. Sie haben die Behandlung dieser Erkrankung in den vergangenen Jahren grundlegend verändert und die Prognose vieler Betroffener deutlich verbessert.

Wird ein ALK-positiver Lungenkrebs im metastasierten Stadium (Stadium IV) diagnostiziert, ist eine Heilung derzeit meist nicht möglich. Für diese Form des Lungenkrebses stehen jedoch mehrere hochwirksame zielgerichtete Medikamente, sogenannte ALK-Tyrosinkinase-Inhibitoren (ALK-TKIs), zur Verfügung.

Diese Medikamente werden als Tabletten eingenommen und blockieren gezielt die Signale, die das Tumorwachstum antreiben. Viele Patientinnen und Patienten sprechen sehr gut auf diese Therapie an: Tumoren und Metastasen können sich zurückbilden, Beschwerden nehmen häufig deutlich ab. Moderne ALK-Inhibitoren wirken zudem oft gut gegen Hirnmetastasen oder können deren Entstehung hinauszögern.

Aktuelle Leitlinien empfehlen in der Erstlinientherapie einen modernen ALK-Inhibitor. Hierzu zählen insbesondere Lorlatinib, Alectinib und Brigatinib. Welche Therapie im Einzelfall gewählt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter Wirksamkeit, mögliche Nebenwirkungen, Begleiterkrankungen und die individuelle Lebenssituation der Patientinnen und Patienten.

Darüber hinaus werden neue ALK-Inhibitoren entwickelt und in klinischen Studien untersucht. Ziel ist es, auch bei Resistenzentwicklungen wirksame Behandlungsmöglichkeiten anzubieten. Die Therapieoptionen für ALK-positiven Lungenkrebs entwickeln sich daher kontinuierlich weiter.

Bei Progress sollte gemäß Leitlinien-Empfehlung biopsiert werden: entweder durch eine Biopsie des wachsenden Tumors oder per Blutentnahme (Liquid Biopsie).

Bei einem Teil der Patienten finden sich dann Resistenz­mutationen oder auch Co-Mutationen, die eine gezielte Auswahl der nachfolgenden Therapie erlauben. Auf diese Möglichkeit solltest du den behandelnden Onkologen ansprechen oder eine Zweit­meinungs­sprechstunde (z.B. im nNGM) in Anspruch nehmen. Bei einzelnen wachsenden Metastasen kann man lokale Verfahren (Bestrahlung oder Resektion) anwenden.

Studiensuche: Über aktuelle klinische Studien kann man sich informieren unter
https://www.zielgenau.org/diagnostik-und-therapie/studiensuche/.

Ansprechpartner bei Zielgenau für ALKpositiven Lungenkrebs

Im Zielgenau-Vorstand sind Nicoline Ehrhardt und Sabine Hatzfeld Ansprechpartner für ALK-positive Lungenkrebspatienten.

Weiterführende Informationen für ALK-positive Lungenkrebspatienten

Arztsuche auf der nNGM-Webseite:
https://nngm.de/arztsuche-lungenkrebs-netzwerkpartner/

Patientennetzwerk ALKpositiv Deutschland:
https://www.alkpositiv-deutschland.org/

Geschlossene Facebookgruppe ALKpositiv Deutschland:
https://www.facebook.com/groups/alkpositivdeutschland

Treibermutationen: Informationen zu den einzelnen Medikamenten zum Einsatz in der Erstlinie, Möglichkeiten nach Versagen der TKI-Therapie, Studien etc. finden sich auf der nNGM-Seite unter Treibermutationen: https://nngm.de/patienten/treibermutationen/

Webinar von Zielgenau/nNGM: „Therapie des ALK-positiven Lungenkrebses“ von 2021: https://www.zielgenau.org/news/webinar-aufzeichnungen-verfuegbar/

Aktuelle S3-Leitlinie „Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms“: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/lungenkarzinom/

Nebenwirkungsmanagement bei Alcetinib, Blog-Artikel:
https://www.zielgenau.org/blog/alectinib-nebenwirkungen-managen/

Überblicksvideo zum ALK-positiven Lungenkrebs auf dem Youtube-Kanal OncoEducation von Dr. Matthias Scheffler vom CIO Köln/nNGM: „Krebsmutationen: ALK-Fusionen – the sky is the limit“


Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Kontakt

Du möchtest uns kontaktieren? Wenn du noch weitere Fragen hast oder mehr Informationen benötigst, melde dich bitte hier.