… und was ist mit der Psyche?

Spielt die Psyche eine Rolle? Das dem so ist, wird mittlerweile allgemein anerkannt. Seit einigen Jahren gibt es das Fachgebiet der Psychoonkologie. Sind wir also auch an der Psyche erkrankt? Macht uns der Psychologe möglicherweise gesund? Machen uns Ängste noch mehr krank? Was machen Sorgen mit uns? Bewirken Glauben und Gebete etwas? Heilen uns gute Wünsche und inständiges Hoffen? 

Der Verein zielGENau e. V. ist in seinen Zielen überwiegend auf die Ebene der Mutationsdiagnostik und entsprechender moderner Therapie ausgerichtet. Dabei spielt auch die Lebensqualität in der Überlebenszeit eine entscheidende Rolle.

Manch einer fragt sich, was er oder sie selbst tun kann, um das Leben mit der Erkrankung für sich oder einen lieben Angehörigen zu verbessern und diese Ohnmacht des Ausgeliefertseins zu überwinden. Was machen diejenigen anders, die lange leben, die überleben? Machen die überhaupt etwas anders? 

Manche von uns leben verblüffend lange. Warum ist das so? Wir hoffen, dass Ärzte genau hinsehen, was ja zum Glück sehr viele tun in ihrem stressigen Alltag, und ihren Blick erweitern, fort von der isolierten Krebszelle mit all den biochemischen Reaktionen drumherum hin zu dem Wunder Leben mit der Gesamtheit von Körper, Geist und Seele.

Die Diagnose ist ein Schock. Das ging uns allen so. Manche Menschen verfallen in eine Art Lethargie oder Starre und finden nur schwer wieder hinaus. Andere werden wütend, wieder andere unendlich traurig. Alles ist normal und alles ist erlaubt. Alles sollte ausgelebt werden. Die Diagnose löst oft eine schwere Krise im Leben aus.

Wir wurden alle von der Diagnose Lungenkrebs im vollen Lauf des Lebens getroffen. Dem Krebs sind unsere Pläne egal und unser Alter und vor allem auch die Lebensweise, denn viele von uns sind relativ jung und haben gesund und bewusst gelebt, sind schlank und sportlich. All die häufig genannten Ursachen (Bewegungsarmut, Adipositas, Rauchen, falsche Ernährung) treffen oft nur in Maßen oder gar nicht auf uns zu. Warum sind wir dann erkrankt?

Um das Warum kreisen bei vielen von uns die Gedanken. Warum ausgerechnet ich? Molekularpathologen erklären, meistens wären rein zufällig auftretende Mutationen die Ursache – Kopierfehler beim Replizieren der DNA. Ist das eine befriedigende Antwort? Ist die Antwort überhaupt wichtig?

Ja, denken wir. Ja, die Antwort ist in gewisser Weise wichtig, sollte aber nicht zur Obsession werden. Vielleicht ist sie neben der modernen Therapie der Weg zum Leben. So, wie wir gelebt haben, sind wir krank geworden. Was sollten wir nun ändern, damit wir gut weiterleben? Können wir etwas ändern? Macht das Sinn?

Um dahin zu kommen, ist es ein langer Weg. Doch jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt, so sagte schon Konfuzius. Und unser Weg ist hart und beschwerlich.

Wir wollen hier keine Anleitung geben, wie jeder von uns den Weg beschreiten sollte. Aber das, was wir alle erlebt haben und erleben, eint uns und wir, die wir in dem Verein als Patienten und Angehörige aktiv sind, haben alle eins gemeinsam:

Wir sehen das Leben!
Und wir leben. Jeden Tag. Jetzt.
Wir sehen das Positive und Gute.
Und wir wollen unbedingt mehr als nur irgendwie etwas länger leben.
Wir haben Ziele.

Ihr habt Angst. Das ist normal. Aber die Angst darf euch nicht haben! Lernt es, sie zu beherrschen. Diese Tipps helfen euch hoffentlich, leichter durch die Krise zu kommen (ich bleibe der Einfachheit halber beim du und bitte dies zu verzeihen, wenn dies nicht genehm ist). 

  • Akzeptiert die Erkrankung. Ganz egal, wie sehr ihr dagegen aufbegehrt, revoltiert, brüllt oder weint. Ihr habt Krebs. Lungenkrebs. Und daran sterben viele Menschen sehr schnell. Der Krebs geht nicht einfach so weg, aber es gibt die Möglichkeit der Umwandlung in eine chronische Erkrankung. Seht diese Möglichkeit.
  • Das Leben bietet so viel Schönes und Wunderbares. Macht es euch zu eigen, dies von Anfang an zu sehen. Es ist nie alles schlecht. Lebt den Moment, wartet nicht auf später. So macht euch zum Beispiel bewusst, wie die Sonne scheint oder die Blätter an den Bäumen aussehen. Lächelt! Macht euch bewusst, was es Gutes gibt in eurer Umgebung. Nehmt alle Liebe an! Seid ein Schwamm und saugt alles Schöne auf! Seid dankbar für jeden schönen Moment.
  • Plant je nach Situation in kleinen oder sehr kleinen Schritten. Anfangs nur den Tag heute.
    Beispiele:
    Heute schaffe ich die Chemotherapie gut.
    Gestern bin ich spazieren gegangen. Heute gehe ich wieder eine halbe Stunde spazieren.
  • Plant jeden Tag etwas Gutes einzig nur für euch. Das kann das Halten der Hand vom Partner/-in sein oder eben ein schöner Spaziergang. Erfreut euch daran. Macht, was euch guttut: Singen und musizieren gehört zum Beispiel dazu, tanzen, mit dem Hund Gassi gehen, mit der Katze kuscheln, aber auch mit dem Partner und guter Sex belebt sowieso – alles ist erlaubt!
  • Stellt euch bei den Therapien vor, wie sie helfen. Schafft euch innere Bilder! So können Strahlen in Gedanken den Krebs schwarz brutzeln, bis ihr es riechen könnt. Oder die Chemo fließt in Form kleiner Baggerfahrer durch euch hindurch und räumt alle kranken Zellen weg. Jede Tablette verteilt sich in euch und behindert den Krebs am Wachstum. Habt Fantasie! Ihr wisst, was euch guttut.
  •  Seid stolz auf das, was ihr schon geschafft habt mit der Erkrankung. Immer wieder!
  • Redet mit den Menschen in eurer Umgebung, teilt euch mit. Macht kein Geheimnis aus der Krankheit. Mitleid wollen wir nicht, aber Mitgefühl und auch Verständnis für unser geändertes Verhalten. Hört ihnen aber auch zu, denn das Leben geht immer weiter. Es gibt noch so viel mehr als den Krebs, insbesondere an Schönem.
  • Wer ist der wichtigste Mensch in eurem Leben? Ihr selbst! Auch wenn ihr oft für andere da wart, jetzt geht das nicht. Jetzt nehmt ihr von anderen, das ist nicht egoistisch. Auch wenn ihr immer gegeben habt, aber jetzt ist alles anders. Wie heißt es? Man kann nur aus einer vollen und nicht aus einer leeren Schüssel geben. Lasst eure Schüssel füllen! Das ist okay.

Und nun mit das Wichtigste: Überlegt euch, was ihr wollt und wofür. Leben, ja. Aber wofür? Es geht nicht um die Jahre, sondern um den Inhalt. Was wollt ihr vom Leben? Habt ihr noch eine Aufgabe zu erfüllen, einen Lebensplan? Habt ihr noch ein Ziel? Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr dieses Ziel erreichen würdet? Stellt euch dies vor mit all den wundervollen Emotionen dazu wie Freude, Dankbarkeit, Zufriedenheit. Das ist es, was ihr wollt. Sagt dies dem Schicksal und nehmt den Weg an, den es euch bereitet hat.

Gesundheit ist nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern wie man damit umgeht, so heißt es. Habt Mut und Vertrauen.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, spezielle psychologische Hilfsangebote bei Krebs zu finden. Nutzt die Möglichkeiten, sucht euch das für euch Passende heraus.  

Das chinesische Schriftzeichen für Krise besteht aus zwei Symbolen: Chaos und Chance.

Das Leben ist bunt.
Greift euch die Chance! Die Chance auf ein zweites, ein anderes Leben.
Sie ist da.
Mit personalisierter Medizin.

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