EGFR-positiver Lungenkrebs

Kurz-Info

EGFR-positiver Lungenkrebs

Lungenkrebs mit einer EGFR-Treibermutation ist eine spezielle Art von Lungenkrebs, bei der eine Genmutation des EGF-Rezeptors (epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor/epidermal growth factor receptor) vorliegt. EGFR-Treibermutationen können auch bei anderen Krebserkrankungen auftreten.

Der EGF-Rezeptor befindet sich in der Zellmembran und hat an der Außenseite eine „Andockstelle“.
Dockt ein bestimmtes Protein an den mutierten Rezeptor an, werden verstärkt Wachstumssignale ausgesendet. Eine Mutation des EGF-Rezeptors führt somit dazu, dass Tumorzellen unkontrolliert wachsen und sich vermehren können.

Treibermutationen beim EGFR-positiven Lungenkrebs

Lungenkrebs ist für Männer die zweit- und für Frauen die dritthäufigste Krebserkrankung in Deutschland. Im Jahr 2023 wurden etwa 58.400 Menschen neu diagnostiziert, davon etwa 33.500 Männer und 24.900 Frauen.(1)

Bei etwa zehn Prozent aller Lungenkrebspatienten lässt sich die genetische Abweichung des EGF-Rezeptors nachweisen, die Patienten sind dann „EGFR-mutationspositiv“. Besonders häufig treten diese Mutationen bei Frauen, Nichtrauchern, Patienten mit Adenokarzinom und im Stadium IV auf.

Besonderheiten beim EGFR-positiven Lungenkrebs

Eine Mutation im EGF-Rezeptor tritt in erhöhtem Maß bei Asiatinnen und besonders selten bei Schwarz­afrikanerinnen auf.
Was diesen spezifischen Lungenkrebs vor allem bei Nierauchern auslösen könnte, war lange unklar. Neue Daten aus dem Jahr 2022, die auf dem Krebskongress ESMO vorgestellt wurden, deuten darauf hin, dass bei Nierauchern mit vorliegenden Mutationen in der Lunge Feinstaub ein Auslöser für Lungenkrebs sein könnte.(2)

Was ist EGFR-positiver Lungenkrebs?

EGFR oder epidermaler Wachstumsfaktorrezeptor ist ein Protein, das sowohl auf der Oberfläche von gesunden Zellen als auch von Krebszellen vorhanden ist. Wenn es beschädigt ist, kommt es zu einer Fehlfunktion des EGF-Rezeptors und zu einem schnellen Wachstum von Tumorzellen.

Über 90 Prozent der EGFR-Gen-Mutationen betreffen einen kleinen Abschnitt des EGFR-Gens der Exone 18 bis 21, wobei mit etwa 80 Prozent die „klassischen“ Mutationen, die Exon 19 Deletion und die Exon-21-Punktmutation L858R am häufigsten vorkommen. Etwa 10 Prozent machen die sogenannten uncommon Mutationen im Exon 18, im Exon 20 und auch in den Exonen 19 und 21 und weitere etwa 10 Prozent die Exon-20-Insertionsmutationen aus.

Wie wird EGFR-positiver Lungenkrebs diagnostiziert?

Die einzige Methode, Treibermutationen wie EGFR beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs zu finden, ist eine „molekulare Diagnostik“. Oft ist auch von „genetischer Biomarker-Testung“ die Rede, von einer „molekularpathologischen Untersuchung des Gewebes“ oder von einem „NGS-Test“ (Next-Generation-Sequencing-Test).

Über das nationale Netzwerk Genomische Medizin Lungenkrebs nNGM findet man Unikliniken, zertifizierte Lungenkrebszentren oder Praxen, die eine solche molekulare Diagnostik durchführen können. Über dieses Netzwerk haben Patienten auch einen leichteren Zugang zu klinischen Studien und zu neuen innovativen Medikamenten vor der Zulassung. Die Kosten für Testung und Beratung werden ambulant und stationär bei Erstdiagnose und bei jedem Rezidiv von den allermeisten Krankenkassen übernommen.

Ansprechpartner, auch für eine Zweitmeinung, findest du über die Arztsuche auf der nNGM-Webseite
(https://nngm.de/arztsuche-lungenkrebs-netzwerkpartner/).

Eine komplette molekulare Testung über alle bekannten Mutationen sollte generell allen Patienten mit einem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs in einem fortgeschrittenen Stadium angeboten werden – unabhängig von einer Rauchhistorie oder der Histologie.

Im nationalen Netzwerk Genomische Medizin (nNGM) erhalten alle Patienten mit einem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs in fortgeschrittenem Stadium eine umfassende molekulare Diagnostik.

Die Kosten für Testung und Beratung werden ambulant und stationär bei Erstdiagnose und bei Progress/­einem Rezidiv von den allermeisten Krankenkassen übernommen.

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Therapiemöglichkeiten beim EGFR-positiven Lungenkrebs

Für Patientinnen und Patienten mit EGFR-positivem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs können zielgerichtete Therapien mittlerweile auch in frühen Krankheitsstadien eingesetzt werden. Nach einer Operation kann bei bestimmten EGFR-Mutationen eine adjuvante Behandlung mit einem EGFR-Inhibitor das Risiko eines Rückfalls senken.

Besonders etabliert sind EGFR-Inhibitoren bei fortgeschrittenem oder metastasiertem Lungenkrebs. Wird ein EGFR-positiver Lungenkrebs im Stadium IV diagnostiziert, ist eine Heilung derzeit meist nicht möglich. Moderne zielgerichtete Therapien können das Tumorwachstum jedoch häufig über viele Jahre kontrollieren und die Lebensqualität vieler Betroffener deutlich verbessern.
EGFR-Inhibitoren werden als Tabletten eingenommen und blockieren gezielt Signale, die das Wachstum der Krebszellen antreiben. Viele Patientinnen und Patienten sprechen sehr gut auf diese Medikamente an: Tumoren und Metastasen können sich zurückbilden, Beschwerden nehmen häufig deutlich ab.

Aktuelle Leitlinien empfehlen bei den häufigsten EGFR-Mutationen (Exon-19-Deletion und Exon-21-L858R-Mutation) moderne EGFR-gerichtete Therapien als Erstlinienbehandlung. Neben der Behandlung mit einzelnen EGFR-Inhibitoren kommen heute zunehmend auch Kombinationstherapien zum Einsatz (Kombination aus zwei verschiedenen TKIs oder die Kombination von TKI und Chemotherapie). Welche Therapie im Einzelfall empfohlen wird, hängt unter anderem von der Art der EGFR-Mutation, möglichen Nebenwirkungen, Begleiterkrankungen und der individuellen Lebenssituation der Patientinnen und Patienten ab.

Die Behandlungsmöglichkeiten beim EGFR-positiven Lungenkrebs entwickeln sich derzeit besonders schnell weiter. Neben zielgerichteten Therapien und Kombinationstherapien stehen zunehmend auch Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) sowie weitere innovative Behandlungsansätze zur Verfügung. Ziel ist es, die Wirksamkeit der Behandlung zu verbessern und auch nach dem Auftreten von Resistenzmechanismen neue Therapieoptionen zu eröffnen.

Bei Progress: Rebiopsie
Kommt es im Verlauf zu einem Fortschreiten der Erkrankung, sollte nach Möglichkeit erneut Tumorgewebe untersucht oder eine Liquid Biopsie durchgeführt werden. Diese Empfehlung findet sich auch in den Leitlinien wieder. So können Resistenzmechanismen erkannt und gegebenenfalls weitere zielgerichtete Behandlungsmöglichkeiten identifiziert werden.

Patientinnen und Patienten können ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte auf diese Möglichkeit ansprechen oder eine Zweitmeinung, beispielsweise über das Nationale Netzwerk Genomische Medizin (nNGM), einholen.

Studiensuche: Über aktuelle klinische Studien kann man sich informieren unter
https://www.zielgenau.org/diagnostik-und-therapie/studiensuche/.

Ansprechpartner für EGFR-positive Lungenkrebspatienten

Im Zielgenau-Vorstand sind Babsi Grassick und Michaela Neuenkirch Ansprechpartner für EGFR-positive Lungenkrebspatienten.

Weiterführende Informationen für EGFR-positive Lungenkrebspatienten

Arztsuche auf der nNGM-Webseite:
https://nngm.de/arztsuche-lungenkrebs-netzwerkpartner/

Geschlossene Facebookgruppe EGFR-Resisters Deutschland:
https://www.facebook.com/groups/227088031359937/

Treibermutationen: Informationen zu den einzelnen Medikamenten zum Einsatz in der Erstlinie, Möglichkeiten nach Versagen der TKI-Therapie, Studien etc. finden sich auf der nNGM-Seite unter Treibermutationen: https://nngm.de/patienten/treibermutationen/

Studiensuche: Über aktuelle klinische Studien kann man sich informieren unter https://www.zielgenau.org/diagnostik-und-therapie/studiensuche/

Webinar von Zielgenau/nNGM: „Therapie von Lungenkrebs mit EGFR-Mutation“ von 2021; Referent: Dr. Martin Sebastian. Hier mehr erfahren: https://www.zielgenau.org/news/ webinar-aufzeichnungen-verfuegbar/

Überblicksvideo zum EGFR Lungenkrebs auf dem Youtube-Kanal OncoEducation von Dr. Matthias Scheffler vom CIO Köln/nNGM: „EGFR – das Protein, das die Krebswelt änderte“

Aktuelle S3-Leitlinie „Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms“: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/lungenkarzinom/

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